Kunst? - Keine Kunst?

Wochenklausur.

„Mit ihrem ersten Projekt ist es der Wochen Klausur gelungen, für die Obdachlosen in Wien eine medizinische Versorgung sicherzustellen. Etwa 700 Menschen werden seither Monat für Monat in einer mobilen Klinik betreut. (Bild & Text von http://www.wochenklausur.at)

Moderner Kitch?

Ist es Kitsch, wenn wir der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, Filme über arme Asylanten drehen, ganze Gebäude mit Installationen aus Glas, Rottweilern und Darstellern füllen oder in Synagogen mit Spiegeln Löcher ‚faken‘, uns womöglich davon betroffen geben, oder fühlen, ABER NICHT mit aller GüteKraft für eine reale gesellschaftliche Veränderung eintreten?

Keine Kunst?

Die Idee zum Mode Kollektiv entstand aus einem Denken, dass ‚Weltgestaltung‘ als Kunst versteht. Da wir dieses Kunstverständnis nicht besser formulieren können, als die inspirierende Wiener Gruppe „Wochenklausur“ – hier in gekürzter Form von der Webseite der Wochenklausur (http://www.wochenklausur.at/kunst.php?lang=de):

„Das Verständnis von Kunst verändert sich nur sehr langsam. Schon vor hundert Jahren ist ihr Werkcharakter in Frage gestellt worde. Seither versuchen KünstlerInnen, Aufgaben zu übernehmen, die weit über das Herstellen von Objekten hinausgehen.

Immer wieder und jetzt schon lange kommt die Forderung, Kunst möge nicht mehr in eigens dafür ausgewiesenen Räumen verehrt werden, sie möge keine parallele Quasiwelt bilden und nicht so tun, als könne sie aus sich und für sich existieren. Sie möge sich mit der Realität auseinandersetzen, die politischen Verhältnisse aufgreifen und Vorschläge zur Verbesserung des Zusammenlebens ausarbeiten. Unkonventionelle Ideen, Innovationsgeist und Energien, die jahrhundertelang im formalen Glasperlenspiel aufgegangen waren, könnten so zur Lösung realer Probleme beitragen. …

Eine der Funktionen von Kunst war immer die Veränderung der Lebensverhältnisse. Das Hinterfragen irrationaler Tabus und tradierter Wertmaßstäbe und die Korrektur sozialer Bedingungen haben mit der Moderne und ihrer Verabschiedung von religiös begründeten Autoritäten auch in der Kunst an Boden gewonnen. Diese Funktion hat erstmals mit den russischen Konstruktivisten auch praktische Vertreter gefunden. Gleichzeitig zum Machtwechsel in Russland 1917 wurde eine Kunst vorgestellt, die über Agitation und Aktivismus direkten Einfluss auf das Bewusstsein und die Lebensumstände des Volkes nehmen wollte. Damit wurde ein neues Kapitel in der Kunstgeschichte aufgeschlagen. …

Und tatsächlich hat es viele Jahrzehnte lang ausgesehen, als ließe sich die Gesellschaft über die Veränderung der visuellen Umgebung, der Seh- und Hörgewohnheiten, manipulieren. Noch bis in die Sechzigerjahre hat diese Ansicht Freunde gefunden … . Rückblickend sieht der Ansatz „Veränderung der sozialen Verhältnisse durch Veränderung der Formen“ ein wenig naiv aus. …

Die gesellschaftliche Erneuerung ist eine Aufgabe der Gegenwartskunst nach der Kunst der Behandlung von Oberflächen. Es dürfte die lohnendere Arbeit sein, vor den Oberflächen die tragenden Konstruktionen zu verbessern. Die Chance dieser Kunst besteht allerdings darin, dass sie der Gemeinschaft etwas bieten kann, das auch Wirkung erzielt. …

Wenn etwa am Wiener Gürtel, statt vieler großer Skulpturen aus Metall und Kunststoff, Holz oder Beton, die dort aufgestellt werden hätten sollen, die dringendsten Anliegen der Prostituierten wahrgenommen werden, die dort ihrer Arbeit nachgehen, … , dann wird der Unterschied zwischen einer privaten Geschmackskultur und einer öffentlich sozialen Kunst deutlich. …“